Ein Jahr in den Vereinigten Staaten

Mein Leben in den Vereinigten Staaten von Amerika

Fast zehnMonate ist es jetzt schon her, dass ich Emden das letzte Mal gesehen habe. In dieser Zeit ist sehr viel passiert: aufregende Reisen, tolle neue Erfahrungen, neue Bekanntschaften und vieles mehr.

Wie ist es überhaupt zu meinem Auslandsjahr gekommen?

Es hat alles damit angefangen, dass unser Pastor mir vom Auslandsjahr seiner Tochter erzählte. Sie hatte sich um ein Stipendium des Deutschen Bundestages beworben, welches ihr ermöglichte, kostenfrei für ein Jahr in die USA zu gehen und dort in einer Gastfamilie zu leben. Auf genau das gleiche Stipendium, das Parlamentarische Patenschaftsprogramm, habe ich mich dann kurz darauf beworben. Es ist ein Stipendium des Deutschen Bundestages und des Kongresses der Vereinigten Staaten von Amerika.

Nach den ersten Auswahlprozessen durch eine Schüleraustauschorganisation namens AFS, entscheidet ein Bundestagsabgeordneter, wer das Stipendium bekommen soll. Da jedes Jahr nur eine Handvoll Leute das Stipendium bekommen, habe ich mir keine zu großen Chancen ausgemalt. Umso glücklicher war ich dann, als sich der für meinen Wahlkreis zuständige Bundestagsabgeordnete, Johann Saathoff für mich entschieden hatte. Anfang August 2017 begann dann also meine spannende Reise.

Meine Ankunft in den USA:

Freude, Enthusiasmus, Angst und Zweifel: Ich fühlte alles, als ich das Flugzeug verließ und meinen Koffer über den Boden der Passagierbrücke zog. Erst in diesem Moment hatte ich vollständig begriffen, was es für mich bedeuten würde, für ein Jahr in einem anderen Land zu leben. Nachdem ich vom Flughafen abgeholt wurde, ging es direkt zu meiner Gastfamilie.

 

Leben in meiner Gastfamilie in Muskego

So heißt die kleine Stadt in Wisconsin, einem mittelgroßen Staat in den USA, in dem ich meine nächsten Monate verbringen sollte.

Die erste Begegnung mit meiner Gastfamilie war sehr aufregend! Ich habe mich sofort sehr gut mit ihnen verstanden und mich auf die gemeinsame Zeit mit ihnen gefreut.

Bereits die ersten paar Wochen waren wunderschön! Ich hatte schon einiges mit meiner Familie unternommen und lebte mich schnell ein. Meine Gastfamilie ist wundervoll! Ich habe eine Gastschwester, einen Gastbruder, eine Gastmutter und einen Gastvater. Sie sind unheimlich nett zu mir und kümmern sich sehr gut um mich. Ich weiß jetzt schon, wie schwer es mir fallen wird, sie zu verlassen, da ich sie so sehr in mein Herz geschlossen habe.

 

Herausforderungen:

Die Art der Kommunikation in den USA hat mir manchmal ein paar Schwierigkeiten bereitet. Aber nach einiger Zeit habe ich gelernt, wie ich zum Beispiel am besten mit heiklen Situationen oder sich anbahnenden Gesprächen über heikle Themen umgehen sollte.

Meine schönsten Erlebnisse:

Am fröhlichsten war ich immer, wenn ich mich nach der Schule mit meinen Freunden im Debattierclub auf unseren nächsten Wettkampf vorbereitet habe. Meine besten und engsten Freunde habe ich dort kennengelernt. Es hat mir einfach Spaß gemacht, sich kontrovers über die vorgegebenen Themen zu unterhalten, Reden zu schreiben und vor allem Gegner zu haben, die höflich und professionell diskutieren können. Meine Partnerin und ich haben uns sehr gefreut, als wir bei der Landesmeisterschaft eine Trophäe für den 16. von 100 Plätzen bekommen haben. Ich hatte nie Angst davor in englischer Sprache über politische Themen zu diskutieren, weil es einfach so viel Spaß gemacht hat! Leider endete die Debattiersaison im Januar dieses Jahres und ich musste mir eine neue Beschäftigung suchen.

Kurz darauf bin ich also dem Sprintteam beigetreten. Bei unserem täglichen zweistündigen Training habe ich viele neue tolle Leute kennengelernt. Weil die Amerikaner viel Wert auf ihren Sport legen, sind ihre Turnhallen und Sportplätze grundsätzlich sehr gut ausgestattet und sehr modern.

Im April wurde ich von einem Freund dazu eingeladen, mit ihm und seiner Familie eine Woche in Florida zu verbringen.Es war einfach wunderschön dort! In Wisconsin war es nämlich den ganzen Winter und Frühling lang extrem kalt! Es hat mir also gut getan für eine Woche ans Meer zu fahren und mich ein bisschen von der Kälte zu erholen und Sonne zu tanken.

Nach einer Woche gefüllt mit zwei Touren auf dem Jetski, einer Bootstour mit Delfinen und vielen Stunden am Strand ging es dann wieder zurück nach Hause.

Das nächste Großereignis war dann der Abschlussball, zu dem ich mit einer Gruppe von fünf Freunden gegangen bin. Die Schule hatte für den Abend ein Hotel reserviert. Zuerst wurde im Speisesaal gegessen und nach einer Stunde wurden dann die Türen zum „Ballraum” geöffnet. Ich habe an diesem Tag das erste Mal in meinem Leben getanzt.

Mein schönstes und aufregendes Erlebnis war allerdings meine Reise nach Washington DC, die zum Pflichtprogramm meines Stipendiums gehörte.

In Washington sind wir Stipendiaten dann jeden Tag in die Innenstadt gefahren und haben sie einfach ein wenig erkundet oder uns mit Politikern getroffen.

Die ersten paar Tage haben wir uns als Gruppe beinahe jedes Denkmal in und um Washington angesehen.

An einem Tag kamen Angestellte des Auswärtigen Amtes der Vereinigten Staaten bei uns im Seminarraum unseres Hotels zu Besuch. Sie erzählten uns eine Menge über Diplomatie und Führungsstärke. Am nächsten Tag haben uns dann sowohl ein deutscher Botschafter als auch eine amerikanische Botschafterin besucht. Es war sehr interessant mehr über ihre Arbeit zu erfahren.

Kurz vor Ende unseres Aufenthaltes haben wir dann einen ganzen Tag lang erst Repräsentanten und dann Senatoren der Vereinigten Staaten getroffen. Es war unheimlich spannend, sich mit ihnen zu unterhalten und interessanterweise wirkten die meisten von ihnen sehr locker und bescheiden.

Mein Leben in der high school:

Zum Ende würde ich gerne noch ein wenig über mein Leben hier in der Schule reden. Schulen in den USA sind meines Erachtens nach den Schulen in Deutschland nicht so unähnlich. Trotzdem gibt es aber ein paar Unterschiede. Kinder mit guten Noten werden hier gut angesehen. Man freut sich über den Erfolg anderer, da der „team spirit” in den USA eine große Rolle spielt.

Da sich jeder in den USA selber seine Klassen auswählen darf, findet man außerdem in den meisten Kursen nur motivierte Schüler mit den gleichen Interessen wie den eigenen vor. Das ist insbesondere in meinem Lieblingskurs AP (Advanced Placement) Physics 2 der Fall. Als Physikkurs auf Universitätsniveau ist er gefüllt mit vielen spannenden Experimenten und teilweise herausfordernden Rechenaufgaben in den Feldern der Fluiddynamik, des Elektromagnetismus und der Quantenphysik.

Ich bin froh und dankbar, dass mir die Möglichkeit gegeben wurde, für ein Jahr in diesem tollen und aufregenden Land zu leben! Die USA fühlen sich schon seit längerem wie ein zweites Zuhause für mich an. Ich freue mich darauf Ende Juni meine Familie, Freunde und Bekannten wiederzusehen. Ab August besuche ich dann die Oberstufe meiner alten Schule, der IGS Emden.

Jetzt aber möchte ich die mir verbleibende Zeit in den USA genießen und das Beste daraus machen.

Bennet Baumfalk

zurzeit für ein Schuljahr in den USA

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